Hartmannstift - Abbrucharbeiten kurz vor Abschluss

Bauleiter Michael Lück, Firma PROCON, koordiniert den Abriss und später auch den Aufbau. Und der Abriss ist bald geschafft.

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Abbruch vorm Abschluss

Vegesack. Stefan Knoblich hat es fast geschafft: Diese eine Etage noch, dann ist das Hartmannstift wieder so, wie es ursprünglich war. Ohne Vordach und Treppe an der Front. Ohne Anbauten rechts und links. Und bald eben auch ohne dieses Dachgeschoss, das als Letztes herunterkommt. Knoblich lässt es Steine, Balken, Glas und Schindeln regnen. Es knackt, es kracht, es staubt. Seit November ist der Maschinist dabei, das frühere Vegesacker Krankenhaus freizulegen – und alles drum herum klein zu machen.

Seine Aufgabe zum Abschluss ist spezieller als alle anderen Aufgaben zuvor. Nicht er sagt das, sondern Hanan Yasin. Der Polier beobachtet, was Knoblich macht. Yasin steht hinter dem Bagger des Maschinisten, der kein normaler Bagger ist. Knoblich nennt ihn Multi-Carrier, weil das Fahrzeug an alle möglichen Situationen auf einer Abrissbaustelle angepasst werden kann. Verschiedene Hydraulikarme in unterschiedlichen Längen liegen bereit und noch mehr Aufsätze für diese Arme: Zangen, Greifer, Scheren. Alle tonnenschwer, alle metergroß – und damit in der Lage, alles niederzureißen.

Nur dass Knoblich in diesem Fall eben nicht alles niederreißen soll. Die unteren Etagen des Hartmannstifts müssen ganz bleiben. Ausschließlich das Dachgeschoss, das später dazukam und deshalb nicht original ist, muss runter. Das, sagt Polier Yasin, macht die Sache spannender. Und teurer, wenn Knoblich patzt. Jede Steinreihe, jede Kante, jede Mauerecke, die er zu viel zum Einstürzen bringt, muss nachher wieder aufgebaut werden. Und das, weiß Michael Lück, kostet, auch Zeit. Lück koordiniert den Abriss und später den Aufbau. Aus dem Hartmannstift-Gelände soll ein Hartmannstift-Quartier werden.

Im Moment ist es eine Trümmerhalde, aus der einzig der historische Teil der ehemaligen Klinik herausragt. Lück und Yasin stehen zwischen Bergen aus Beton und Klinkersteinen, die an manchen Stellen fast so hoch sind wie das Erdgeschoss des Hartmannstifts. Und die immer noch höher werden. Der Greifer des Carriers hat jetzt einen Balken und ein Fenster aus dem Dachgeschoss gerissen und zu Boden fallen lassen. Später werden Arbeiter die Bruchstücke einsammeln und sortieren. So wie sie alles sortieren. Neben den Betonbergen reihen sich Haufen aus Metall, Folien, Styropor, Holz.

Knoblich hat mit seinem 42-Tonner so viele Gebäude auf dem ein Hektar großen Gelände an der Gerhard-Rohlfs-Straße abgerissen, dass immer wieder Lastwagen kommen mussten, um zwischendurch Bauschutt wegzuschaffen. Erst brachte er den rechten Anbau zum Einsturz, dann das Heizhaus der Klinik, das Schwesternwohnheim und zuletzt den linken Seitenflügel. Yasin sagt, dass inzwischen mehr als 50 Container allein mit Beton- und Ziegelbruch vom Grundstück gerollt sind. Und trotzdem ist die Baustraße immer noch so eng, dass für Fahrzeuge wenig Platz bleibt.

1500 Tonnen pro Tag

Und für die Steinbrechanlage. Sie steht dort, wo später mehrere Wohnhäuser gebaut werden – auf der Rückseite des Grundstücks . Seit dieser Woche ist die Maschine da. Sie soll Platz schaffen. Und sie soll die Betonbrocken der Stiftsgebäude zu Füllstoff für die Fundamente der Neubauten machen. Aus armlangen und oberschenkeldicken Steinen müssen bis zu 16 Millimeter kleine Steinchen werden. Projektleiter Lück nennt diese Zahl und noch eine andere. Sie lautet: 1500 – und steht für die Menge an Tonnen, die der Brecher an einem Tag kaputtmachen kann.

An diesem und am nächsten Nachmittag will Yasin die Anlage probeweise laufen lassen – und ab Ende der Woche dann regulär. Der Polier geht davon aus, dass es Wochen dauert, bis das Gelände keine Gesteinshalde mehr ist. Die Maschine, sagt er, muss jetzt anfangen zu brechen, damit im nächsten Monat mit den Arbeiten an den ersten Neubauten begonnen werden kann. Sechs gibt es. Projektleiter Lück hat sie durchnummeriert und die Reihenfolge festgelegt, wann welches Gebäude kommen wird.

Den Anfang soll ein mehrgeschossiger Klinkerbau machen, der links vom Hartmannstift geplant ist und unten Tagespflege und oben Wohnungen vorsieht. Als Letztes hat Lück einen Komplex mit Kita und Appartements auf seiner Liste, der rechts vom früheren Krankenhaus stehen wird. Und dazwischen sollen vier Gebäude auf der Rückseite des Geländes gebaut werden, in denen ausschließlich gewohnt werden soll. Genauso wie im Hartmannstift, wenn es saniert ist. Macht zusammen 65 Wohnungen, die ausschließlich zum Mieten sind und teilweise staatlich gefördert werden.

Bisher hat der Projektleiter davon gesprochen, dass alles im übernächsten Jahr fertig wird. Inzwischen nennt Lück einen neuen Termin: 2025. Und nicht mehr ein Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro, sondern ein höheres. Auf die Baukosten schlägt er jetzt bis zu 20 Prozent obendrauf – wegen der Kostensteigerungen durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg. Aber auch, weil die Baustelle immer wieder zum Tatort wird. Mal kam aussortierter Stahl weg, mal wurde ein Containerbüro ausgeräumt. Zuletzt machten Diebe, was Lück kaum glauben konnte: Sie kappten ein Starkstromkabel, um es mitzunehmen.

 

Weser Kurier vom 18.05.2022

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