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Steingut-Gelände: Welche Gebäude auf der momentan größten Baustelle im Bremer Norden inzwischen weg sind.

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Stadtentwicklung in Grohn

Der Anfang vom Abriss

Steingut-Gelände: Welche Gebäude auf der momentan größten Baustelle im Bremer Norden inzwischen weg sind

Grohn. Das Hartmannstift-Quartier ist noch nicht fertig, schon managt Michael Lück das nächste Vegesacker Vorhaben. Und wie beim ersten heißt es auch beim zweiten für den Projektleiter erst einmal: abreißen, abreißen, abreißen. Mit dem Unterschied, dass diesmal die Fläche zehnmal so groß ist, mehr als doppelt so viele Gebäude wegmüssen – und Mengen an Beton, Stahl, Steinen, Kunststoff und Dämmstoffen anfallen, die auch Lück so noch nicht untergekommen sind. Die Baggerarbeiten auf dem früheren Steingut-Gelände, die momentan größte Baustelle im Bremer Norden, sind gestartet.

Zehn Hektar. Wäre das Grundstück eine Bezirkssportanlage, könnten auf ihr ungefähr 14 Fußballfelder im Standardformat angelegt werden. Die Firma, für die Lück arbeitet, hat allerdings andere Pläne. Procon heißt sie. Der Name steht auf XXL-Bannern, die am ehemaligen Werkstor der Norddeutschen Steingut AG und an einer Hallenwand hängen. Sie zeigen, wie alles einmal werden soll: auf der einen Hälfte des Grohner Grundstücks der neue Standort von Armaturen- und Regeltechnikhersteller Gestra, auf der anderen ein Quartier, das Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet. Und weil das Vorhaben so groß ist, wird es von Bauentwickler M-Projekt mit vorangebracht. Auch die Stadt ist zur Partnerin geworden.

Im März kam der erste Abbruchbagger, inzwischen sind es sieben, die auf dem Gelände zertrümmern, sortieren, aufschichten. Es gibt Haufen von Beton, Haufen aus Stahl und Haufen mit vollen Bigbags. So heißen die großen Kunststoffsäcke, in denen Steine und Schutt gesammelt werden können. Und von allem fällt mehr an als bei anderen Abrissbaustellen. Lück hat es am Morgen ausrechnen lassen – und konnte die Zahl selbst kaum glauben, die ihm genannt wurde. Sie lautet 440.000 Kubikmeter. So viel umbauter Raum wird von den 30-Tonnern mit Scheren und Schaufeln kleingemacht. Zum Vergleich nennt der Projektleiter die Menge, die auf dem Gelände des Hartmannstifts angefallen ist: 25.000 Kubikmeter.

Lück sagt, dass er das Vorhaben im Vegesacker Zentrum nicht kleinreden will. Aber was in Grohn gemacht wird, ist für ihn eine andere Hausnummer. Auch Stephan Nietschke redet so. Gerade hat er mit schwerem Gerät eine Mauer in einer Halle eingerissen, um Platz für die Arbeiter zu schaffen, die den Abschnitt entkernen sollen. Jetzt steht der Baggerfahrer, der demnächst dabei helfen soll, das Hertie-Gebäude in Delmenhorst abzureißen, in einer Wolke aus Staub und sagt, dass auf der Grohner Baustelle alles Routine ist – alles, außer die Abrissmenge. Laut Lück werden 70.000 Tonnen an Beton fürs Recycling anfallen. Ein Großteil soll auf dem Gelände als Fundament wiederverwendet werden.

Der Projektleiter steht auf dem hinteren Teil des Grundstücks, das später zum Gestra-Grundstück werden soll. Dort sind die Abrissarbeiten am weitesten. Von den Hallen, die es mal gab, sind nur noch Haufen übrig. Der Schornstein ist fast das Einzige, was in die Höhe ragt. Bald soll auch er wegkommen. Mit Spezialgerät: Weil die Baggerarme für den 50-Meter-Turm zu kurz sind und eine Sprengung nicht infrage kommt, ist ein 250-Tonnen-Schwerlastkran geordert worden. An seinem Haken soll eine Betonschere montiert werden und an die Schere ein Paar langer Hydraulikleitungen, um das Brechwerkzeug mit dem Pedal auf- und zumachen zu können. Der Schornstein soll von oben nach unten abgetragen werden.

Es gibt noch einen zweiten. Und der wird bleiben. Auf den Bannern, die zeigen, wo was im Steingut-Quartier geplant ist, steht er in der Mitte eines Platzes. Er ist nicht das Einzige, was an die lange Geschichte der Fliesenproduktion in Grohn erinnern soll – und darum für die Abrissarbeiter tabu ist. Auch andere Bauten und Teile von Bauten wollen die Projektentwickler erhalten, alle sind im vorderen Bereich des Geländes. Lück spricht von Industriekultur. Und davon, dass sich Altes mit Neuem verbinden wird. Er geht vorbei an Türen mit der Aufschrift „Eisenlager“, „Materialausgabe“, „Schlosserei“. An verstaubten Werkbänken, leeren Silos und Kartons mit Fliesen. Dieser Bereich, sagt er, wird gerade entrümpelt.

Aussortieren, entkernen, abreißen. So ist die Reihenfolge jedes Mal. Der Projektleiter hat es noch nicht ausgerechnet, schätzt aber, dass ein Drittel des Abbruchs geschafft ist, jedenfalls des oberirdischen. Auch aus dem Boden ist inzwischen eine Menge herausgeholt worden. Zum Beispiel Beton. Zum Beispiel Stahl. Zum Beispiel ein Gasleitungsnetz von 1,2 Kilometern Länge. Beim Hartmannstift sind die Arbeiter auf noch ganz andere Dinge gestoßen, unter anderem auf Fluchttunnel. Auch deshalb – und weil wegen des beengten Platzes nur ein Bagger eingesetzt werden konnte – hat sich der Abriss unterm Strich ein Jahr hingezogen. Lück hofft, das der auf dem Steingut-Gelände zumindest nicht länger dauert.

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