Endspurt auf allen Etagen
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Endspurt auf allen Etagen Artikel in der Norddeutschen vom 26.08.2026
Vegesack. Draußen werden schon die Glasscheiben am Eingang geputzt, dabei ist drinnen noch vieles Baustelle. Vor allem im Parterre und im ersten Obergeschoss. Was mit den Auflagen zu tun hat, die für diesen Bereich gelten. Die beiden unteren Etagen werden Banketagen. Den Innenausbau macht der Mieter deshalb mit einem eigenen Team. Vor Kurzem war Übergabe an ihn. Wie es im Neubau am Vegesacker Sedanplatz aussieht , wo unten die Sparkasse und oben zwei Praxen einziehen – ein Rundgang mit dem Projektleiter.
Janko Seegelken kann jetzt nicht. Das Handy klingelt. Jemand hat Fragen zu einer anderen Baustelle. Seegelken, 47, gestreifte Warnweste, Ingenieur bei der Nordbremer Procon-Gruppe, hat mehrere Millionenvorhaben, um die er sich zu kümmern hat. Und demnächst eines weniger: Seine Handwerker, sagt er, sind fast fertig. Anfangs war er für alle Arbeiter beim Neubau am Sedanplatz zuständig. Seegelken hat den Abriss des Asia-Marktes geleitet , der im Weg war, dann den Rohbau koordiniert. Er kommt auf 15 Monate, die alles bis heute gedauert hat. Für ihn ein guter Schnitt bei einem Gebäude von dieser Größe.
2500 Quadratmeter, vier Geschosse plus Keller, drei Eingänge – jeder Mieter hat einen eigenen Zugang. Seegelken nimmt den in der Mitte. Er will erst zeigen, wie es in der Sparkasse aussieht, dann in der Augenarzt- und in der Physiotherapiepraxis. Er geht voran. Vorbei an Männern, die Löcher für Lampen in die Decke bohren, Kabel verlegen, spachteln: "Bitte keine Gegenstände an die Wände anlehnen" – der Hinweis für die Arbeiter wiederholt sich. Fast überall ist inzwischen gestrichen worden. Und fast überall der Boden verlegt und vorsorglich mit Plane oder Filzbahnen abgedeckt.
Es geht in einen sensiblen Bereich. Seegelken nennt ihn so. Vor einer Tür, die fast so dick ist wie ein Unterarm samt Hand lang, bleibt er stehen. Sie ist halb geöffnet. Hinter ihr reihen sich regalweise Fächer, die an flache Briefkästen erinnern. Zwischen ihnen hängt ein Gerät an Kabeln in der Luft, das jedes Fach ansteuern kann. "Der Tresorraum", sagt Seegelken, "ist voll automatisiert." Und schwer gesichert. Der Projektleiter hat ihn nicht eingebaut, spricht aber von so viel gehärtetem Stahl rundherum, dass er sich nicht vorstellen kann, jemand könnte ihn aufbohren. So wie beim Millionencoup in Gelsenkirchen.
Seegelken schwenkt nach rechts ins Foyer, wo er auf einen Empfangsbereich und einen Raum für die Geldautomaten zeigt. Von dort geht es in die Räume, die die Sparkasse zur Stadtteilfiliale machen will. Und die für Veranstaltungen genutzt und gemietet werden können. Zum Beispiel für Lesungen, Kabarettabende, Podiumsdiskussionen. Auch Bereiche für Beratungen gibt es. Der Projektleiter nennt sie Cubes, weil sie wie Würfel aussehen. Viel Glas sorgt dafür, dass jeder sichtbar ist. Nur nicht hörbar. "Die Räume sind so schalldicht", sagt Seegelken, "dass nichts nach draußen dringen kann."
Auch im ersten Obergeschoss gibt es Cubes. Genauso wie Büros, so wie sie jeder kennt. Der Projektleiter schaut aus einer Fensterreihe in die Fußgängerzone: "Eine schöne Aussicht." Er kennt aber noch eine bessere. Weiter oben. Zwei Fahrstühle gibt es und zwei Treppentürme. Seegelken nimmt den Turm, der direkt in die Augenarztpraxis führt. Sie erstreckt sich über das halbe Dachgeschoss. Macht nach seiner Rechnung 240 Quadratmeter. Er sagt, was wo ist: hier die Schleuse, dort der OP-Bereich und zur Straßenseite die Behandlungszimmer – mit einem Blick bis zu den Werften.
Die Praxisräume sehen so aus, als könnten morgen gleich die Möbel kommen. Kommen sie aber nicht. Nach Seegelkens Zeitplan ist der Einzug in den nächsten Wochen und die Eröffnung seines Wissens nach im Oktober geplant. Für die Physiotherapiepraxis nennt er einen ähnlichen Termin. Um zu ihr zu gelangen, geht es ein Stockwerk tiefer. Sie nimmt das komplette zweite Obergeschoss ein, inklusive der anderen Hälfte der Dachetage. Ein separates Treppenhaus verbindet beide Stockwerke. Sowohl auf dem oberen als auch auf dem unteren Geschoss gibt es einen Raum, der so groß wie ein Saal ist.
Am zweiten schließt sich eine Dachterrasse an. Von ihr aus kann man den Wasserturm, die frühere Markthalle und Seegelkens nächstes Projekt sehen: das alte Finanzamtsgebäude. Wie der Asia-Markt soll auch das abgerissen werden, um Platz für einen Neubau beim Sedanplatz zu machen. Und wie der erste soll auch der zweite nach einem Entwurf des Bremer Architekturbüros Hilmes und Lamprecht gebaut werden. Mit dem Unterschied, dass es diesmal nicht um Büro-, sondern um Wohnflächen geht. Zuletzt hieß es, dass an die 30 Eigentumswohnungen entstehen könnten.
Der Projektleiter blickt auf den Giebel des früheren Behördensitzes. Er schließt nicht aus, dass noch in diesem Jahr die ersten Abrissarbeiten beginnen. Und dass 2028 der Baustart ist. Erst soll es in die Tiefe gehen, dann in die Höhe. Unter dem Gebäude ist eine Garage geplant. Wann es mit dem dritten Neubau am Sedanplatz weitergeht, ist seines Wissens nach noch offen. Wegen der ehemaligen Markthalle und weil unklar ist, wann sie leer steht, um weichen zu können. Wie die anderen beiden Projekte ist auch dieses ein Vorhaben von Procon und dem Nordbremer Unternehmen M-Projekt.
Es geht wieder nach unten. Diesmal im zweiten Treppenturm des Neubaus. Der Fahrstuhl bleibt auch diesmal ungenutzt. Seegelken sagt, dass beide Lifte funktionieren, aber erst dann in Betrieb genommen werden, wenn die Handwerker weg sind, um Schäden zu vermeiden. Je weiter es abwärts geht, desto mehr Arbeiter begegnen einem. Dabei sind längst nicht mehr so viele auf der Baustelle wie noch vor Monaten, als die Rohbauphase in die Innenausbauphase überging. Damals kam der Projektleiter auf 30 bis 40 Handwerker, jetzt kommt er noch auf halb so viele.
Das Team der Sparkasse hat er dabei mitgezählt. Es hat noch etwas mehr Zeit als sein eigenes. Die Eröffnung der Filiale ist – Stand heute – für Ende November geplant.
von Christian Weth