Wir verwenden Cookies Cookie Details
Wir verwenden Cookies Cookie Details

Weniger Bürokratie, mehr Tempo: Ein Jahr Bremer Weg

Die Senatspressestelle hat eine Pressemitteilung zum Bremer Weg veröffentlicht:

Senatskommission Wohnungsbau zieht Bilanz: Bauantrag digital, neue Landesbauordnung ab Januar, Pilotquartier mit rund 715 Wohneinheiten in Oberneuland

Pressemitteilung 03.11.2026

Schneller genehmigen, einfacher bauen, Kosten senken: Darum geht es beim "Bremer Weg zum kosteneffizienten und zukunftsfähigen Bauen". Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Beschluss hat die Senatskommission Wohnungsbau am heutigen Dienstag (3. November 2026) Zwischenbilanz gezogen.

Von den ambitionierten Maßnahmen, auf die sich die Senatskommission vor einem Jahr verständigt hat, sind 28 bereits in der Praxis angekommen. Bei 60 weiteren läuft die Umsetzung. Dazu kommen Reformen, die das Bauen in Bremen spürbar leichter machen sollen, vom verbindlich digitalen Bauantrag bis zur neuen Landesbauordnung, die am 1. Januar 2027 in Kraft tritt.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte: "Bremen braucht mehr bezahlbare Wohnungen, insbesondere für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Mit der Senatskommission Wohnungsbau haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, um Planungs- und Bauprozesse zu vereinfachen, Kosten zu senken und neue Spielräume für Investitionen zu schaffen. Der 'Bremer Weg' ist dabei kein einmaliges Maßnahmenpaket, sondern ein gemeinsamer Prozess, den wir konsequent weiterentwickeln wollen. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die diesen Weg engagiert mitgestalten."

Bausenatorin Özlem Ünsal: "Wer in Bremen eine bezahlbare Wohnung sucht, hat nichts von Vorschriften, die das Bauen kompliziert und teurer machen. Deshalb entschlacken wir kräftig – über alle Ressorts hinweg. Der Bremer Weg ist kein Papier für die Schublade, er ist in den Ämtern und Projekten Auftrag und Programm. Dabei macht der Senat ordentlich Tempo. Unser Maßstab ist einfach: Was den Wohnungsbau ausbremst, kommt auf den Prüfstand. Was Wohnungen schafft, bekommt Rückenwind."

Torsten Sasse, Präsident der Ingenieurkammer der Freien Hansestadt Bremen: "Die Ingenieurkammer Bremen begrüßt und unterstützt die ergriffenen Maßnahmen ausdrücklich. Als besonders relevant wird angesehen, dass die Ergebnisse der Bauvorhaben-Konferenz zeitnah dokumentiert werden und für alle Beteiligten abschließend und verbindlich sind, damit die gewünschten Beschleunigungseffekte auch erreicht werden können."

Anja Passlack, Vorstandsmitglied der Gewoba: "Der Bremer Weg ist kein Selbstzweck, sondern soll ganz konkret dazu beitragen, dass mehr Wohnraum in Bremen entsteht – mit einfacheren Verfahren, mehr Flexibilität und einem stärkeren Fokus auf das, was beim Bauen wirklich notwendig ist. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

Peter Sakuth, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der freien und privaten Wohnungsunternehmen im Land Bremen: "Der entscheidende Maßstab für den Erfolg der Bremer Wohnungspolitik wird nicht die Zahl der beschlossenen Programme oder die Höhe der bereitgestellten Mittel sein, sondern die Zahl der Wohnungen, die unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen tatsächlich gebaut und für die Bevölkerung bezahlbar zur Verfügung gestellt werden."

Dr. Susanne Schmitt, Verbandsdirektorin des vdw: „Unser Verband und seine Mitgliedsunternehmen in Bremen und Bremerhaven haben den Bremer Weg von Beginn an unterstützt. Nach einem Jahr lässt sich bereits sagen: Die Modernisierung des Bauordnungsrechts hat mit vielen Einzelmaßnahmen dazu beigetragen, dass Bauen einfacher, schneller und günstiger geworden ist. Doch der Bremer Weg ist auch in zweiter Hinsicht eine Erfolgsgeschichte: Er macht deutlich, dass in Bremen Politik und Verwaltung, die Wohnungswirtschaft und andere Akteure am Wohnungsmarkt ein gemeinsames Ziel verfolgen: Mehr bezahlbarer Wohnraum für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen.“

Digital, schneller, einfacher gefördert

Vieles gilt bereits. Seit dem 1. Juli 2026 werden Bauanträge in Bremen verbindlich digital gestellt und bearbeitet. Seit November 2025 setzen Stadtplanung und Bauordnung den Bau-Turbo in Beratungen und Antragsverfahren ein. Seit Oktober 2025 gilt die fortgeschriebene Schallschutzvereinbarung, die Anforderungen an Gebäudeenergiestandards sind an das Bundesrecht angeglichen. Am Ziel einer Wärmeversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien hält der Senat dabei fest. Auch die Wohnraumförderung ist einfacher geworden. Das aktuelle Programm gilt seit September 2026: Es integriert den Baustein "Junges Wohnen", vereinfacht Anwendung und Antragstellung und schafft Möglichkeiten, Förderbescheide nachzujustieren.

Neue Landesbauordnung: Bauen im Bestand rückt nach vorn

Am 1. Januar 2027 tritt die zweite Novelle der Bremischen Landesbauordnung in Kraft. Damit wird sie zur Umbauordnung: Aufstocken, Umnutzen und Nachverdichten werden leichter, das Bauen im Bestand bekommt noch mehr Gewicht. Für Vorhaben mit bis zu zehn Wohneinheiten entfällt der Stellplatznachweis. Mit den "Bremensien", also landeseigenen Sonderregeln, wird aufgeräumt. Die Landesbauordnung rückt näher an die Musterbauordnung heran: Das schafft verlässliche und möglichst einheitliche Regeln für alle, die bauen.

Neu ist außerdem die Bauvorhaben-Konferenz. Sie ist freiwillig und kostenpflichtig: Bauherrinnen und Bauherren sowie Verwaltung klären früh und verbindlich, wie es mit einem Projekt weitergeht.

Stellplätze und Mobilität: Standards statt Einzelverhandlung

Auch das Mobilitäts-Bau-Ortsgesetz wird praxistauglicher. Der Senat hat die Novelle am 18. August 2026 beschlossen. Die öffentliche Anhörung ist für November geplant, bis Jahresende soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein. Statt individueller Mobilitätskonzepte gelten künftig standardisierte Maßnahmen mit festen Anrechnungswerten Bauherrinnen und Bauherren sollen so schon vor dem Grundstückskauf verlässlich abschätzen können, was auf sie zukommt. Kleine Genossenschaften, soziale Träger, Baugemeinschaften und nicht zuletzt gewerbliche Bauherrschaften sollen von komplexen Nachweispflichten entlastet werden. Gleichzeitig behält die Stadt ein wirksames Instrument, um den Parkdruck im öffentlichen Straßenraum zu begrenzen.

Eine Stelle, wenn es hakt

Seit rund einem halben Jahr arbeitet die Wohnungsbaukoordination bei der Senatsbaudirektion. Sie treibt Wohnungsbauprojekte ressortübergreifend voran und hält die Umsetzung jeder einzelnen Maßnahme des Bremer Wegs nach. Gibt es Konflikte, ist sie die Anlaufstelle.

Fleetquartier: Ein ganzes Quartier als Praxistest

Wie der Bremer Weg ein ganzes Quartier prägen kann, soll das Pilotprojekt in Oberneuland zeigen. Bisher hieß es "Wohnpark Oberneuland – einfach machen!", jetzt "Fleetquartier". Auf rund 150.000 Quadratmetern sollen rund 715 Wohneinheiten entstehen: 265 in Reihen- und Kettenhäusern, 450 in drei- bis fünfgeschossigen Wohngebäuden.

Bauherrin ist die Projektgesellschaft Wohnpark Oberneuland mit Procon, M Projekt, CS Projekt, Müller und Bremermann sowie der Brebau. Der Bebauungsplan wird derzeit aufgestellt, die öffentliche Auslegung ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Was "einfach machen" dort konkret heißt:

  • Flächen, von denen die Feuerwehr anleitern kann, werden im öffentlichen Raum nachgewiesen statt auf privatem Grund.
  • Feste Standards im städtebaulichen Vertrag statt eines eigenen Mobilitätskonzepts, inklusive zweier Bushaltestellen und zweier Carsharing-Plätze, die das Projekt selbst finanziert.
  • Behörden und andere Träger öffentlicher Belange werden ausdrücklich gebeten, sich in ihren Stellungnahmen auf das Wesentliche und rechtlich Erforderliche zu konzentrieren.

Angebunden wird das Quartier an das Zentrum Oberneulands mit Bahnhof und an die Innenstadt. Vorgesehen ist auch die Expresslinie Oberneuland aus dem Verkehrsentwicklungsplan.

Um junge Familien beim Schritt ins Eigentum zu unterstützen, prüft die Bremer Aufbau-Bank (BAB) ein eigenes Förderprogramm für den Kauf neu gebauter Einfamilienhäuser. Dazu geht sie auf die Bremer Banken zu. Parallel arbeitet die Investorengruppe daran, die Baukosten substanziell zu senken.

Thorsten Nagel, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Wohnpark Oberneuland: "Der Bremer Weg ist aus unserer Sicht der richtige Ansatz, um Wohnungsbau in Bremen schneller und wirtschaftlicher möglich zu machen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Regeln, Standards und Verfahren auf den Prüfstand gestellt werden. Entscheidend ist jetzt die Umsetzung: Die Geschwindigkeit, mit der der Bremer Weg entwickelt wurde, wünschen wir uns auch bei seiner Anwendung in den konkreten Planungs- und Genehmigungsverfahren. Mit dem Fleetquartier wollen wir gemeinsam zeigen, dass aus den beschlossenen Maßnahmen tatsächlich schnelleres und kosteneffizienteres Bauen wird."

Ausblick: In der Praxis verankern, bundesweit zeigen

Damit die neuen Regeln nicht nur auf dem Papier stehen, haben die Architektenkammer Bremen, die Ingenieurskammer Bremen und das Bauressort eine Fortbildungsreihe vereinbart. Geplant sind vier bis sechs Veranstaltungen im Jahr 2027, die zeigen, wie die Maßnahmen des Bremer Wegs in Projektentwicklung und Verwaltungsverfahren konkret angewendet werden. Schon in diesem Halbjahr informiert die Kammer über die neue Landesbauordnung.

Ab September 2027 soll der Bremer Weg zudem auf der bundesweiten Plattform "kostenreduziertes Bauen" für Öffentlichkeit und Fachwelt sichtbar sein. Die Plattform entsteht im Auftrag des Bundesbauministeriums, Bremen ist von Beginn an eingebunden.

Zurück